REBOUND

Mit Jugendlichen zusammen lernen: Alkohol, Cannabis und Co.

REBOUND – Ein neues Risikopädagogik-Projekt entsteht

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Medizinische Psychologie des Universitätsklinikums Heidelberg beginnt die Mentor Stiftung Deutschland im Herbst 2009 mit der Entwicklung des Resilienzprogramms REBOUND. Resilienz bedeutet Widerstandskraft oder Stärke, die dabei hilft Herausforderungen zu erkennen und ihnen aktiv entgegenzutreten. Das Resilienz-Konzept blickt auf eine fast 60-jährige Forschungstradition zurück und ist zusammen mit dem Salutogeneseansatz ein guter Rahmen für eine Suchtprävention, die sich nicht nur in Warnungen von Erwachsenen erschöpft. Die Bildung von Resilienz kann aktiv unterstützt werden.

Mentor-Stiftung

REBOUND ist ein Präventionsprogramm für junge Menschen von 12-25 Jahren. Es wird zunächst für die Altersgruppe von 14-18 ausgearbeitet, also für die Zeit im Leben der meisten Jugendlichen, in der sie mit Zigaretten und Alkohol erste Bekanntschaft machen und etwa ein Drittel auch mit Cannabis experimentiert. Statt nur vor den Gefahren verschiedener psychoaktiver Substanzen zu warnen, werden wir eine aktive Rausch- und Risikopädagogik anbieten, in der auch Jugendliche selber einen Teil des Programms und des Unterrichts gestalten.

Was ist der positive Sinn von Rausch und Risikoverhalten? Wie lernt man zu trinken und eine gesunde Haltung zu Zigaretten oder Cannabis zu finden? Da Warnung und Furcht-Appell, Information und Tabuisierung nur einen Teil der Menschen erreichen, wird REBOUND viel stärker auf die Rolle psychoaktiver Substanzen bei der Identitätsentwicklung schauen und die kulturellen Faktoren von Substanzkonsum herausarbeiten.

Es ist ein universelles Präventionsprogramm, wendet sich also an „alle“ Jugendlichen sowie deren Eltern und nicht nur an Risikogruppen. Das Programm ist modular und lernfähig aufgebaut, d.h. im Rahmen seiner Grundprinzipien flexibel kombinier- und erweiterbar. So können etwa Einheiten zum Rauschtrinken oder zu neuen psychoaktiven Substanzen (wie Spice) sinnvoll eingefügt werden, falls Bedarf „vor Ort“ vorhanden ist. — REBOUND ist ein Programm für Schulen und Jugendorganisationen.

Was machen wir methodisch? REBOUND besteht aus vier Elementen:

  1. Im Mittelpunkt stehen Resilienz-Techniken, die nicht nur die Life-Skills eines Individuums fördern sollen, sondern vor allem die Merkmale resilienter Gruppen, d.h. sie richten sich gerade auch an die Klassengemeinschaft als Gruppe.
  2. Im risikopädagogischen Teil von REBOUND wird mit gefilmten Szenarien gearbeitet: Junge Leute stellen Szenen dar, die in Zusammenhang mit Rausch, Risiko und Identitätssuche stehen. Durch Identifikation, Abgrenzung und Reflexion über diese Szenen lernen Jugendliche verschiedene Motive, Emotionen und soziale Kräfte kennen, die beim Thema „Drogen“ wirken.Das geschieht auch durch „Ausspielen“ der jugendnahen Filme im Klassenzimmer.
  3. Bis zum Frühjahr 2010 entsteht eine interaktive Website, die zahlreiche Selbsteinschätzungsmöglichkeiten für Einzelne und Gruppen bietet, für konsumierende Jugendliche z.B. einen Selbst-Check, der einen Vergleich zu Jugendlichen ihres Alters ermöglicht. Jede REBOUND-Lerngruppe (Klasse) kann dann über die Online-Plattform ihren Lernprozess begleiten und vertiefen.
  4. Und schließlich ist die (Online-)Evaluation aller Programmteile ein integrativer Bestandteil des Programms. In einer Studie mit 1000 Schülern werden wir die 16 Kernstunden von REBOUND nach dem State-of-the-Art in der Präventionsforschung evaluieren.

Warum sollten Schulen überhaupt daran interessiert sein ein risikopädagogisches Programm durchzuführen? Nur dann, wenn sie Vorteile davon haben, die über die Behebung von „Defiziten“ bei einzelnen Schülern hinausgehen. Deshalb möchte REBOUND sozusagen 2 in 1 bieten: einerseits ein Resilienzprogramm mit positiven Effekten auf Klassen- und Lernklima sowie Burn-out-Prophylaxe bei Lehrern. Andererseits ein Programm, dass die Begegnung mit dem Thema Rausch und (legalen oder illegalen) Drogen als spannende und zugleich „normale“ Herausforderung für die Identitätsentwicklung versteht.

Haben Sie oder Ihre Schule Interesse an einer Zusammenarbeit? Melden Sie sich bei uns.